Sonntag, 29. Juni 2008













Aufführung

Gespannte Gesichter, Aufregung vor dem Beginn, eine Ansage auf dem Einrad. Endlich findet Stines Reise wirklich statt. Die Arbeit hat sich gelohnt. Langer Applaus für alle und glückliche Gesichter.

Dienstag, 24. Juni 2008


Spät

Auf einer alten Bank hat man Gedanken von früher. Blickte man jetzt in einen Teich, man würde sich als alten Menschen sehen, das Gesicht runzlig und die Hände voller Moos.




Abflug

Ballonfahrer: " Unten wie oben ist eigentlich gleich / Lumpen und Roben / arm oder reich. / Ich fahre nur weiter und schere mich nicht / ob traurig, ob heiter / ist das Gesicht. "

Mittwoch, 18. Juni 2008







Wehmut

Der tote schwarze Käfer unter meinen Füßen, das Abendlicht an der Hauswand gegenüber. Ich schüttle die letzen Monate aus der Fußmatte und schließe die Tür wieder. Drinnen wartet eine geöffnete Datei.

Montag, 16. Juni 2008





Niederschlag

Es hört nicht auf zu regnen, aber keine Taube bringt einen Ölzweig. Die Schnecken kleben auf meiner Treppe und harren aus. Schon werden ein paar Bücher eingepackt, aber noch denkt niemand an Abschied. Nach drei Monaten kommt mir die Zimmerdecke nicht mehr so niedrig vor.

Sonntag, 15. Juni 2008

Matratzenlager

Im Laden der Sonnenfrau stehen gelbe Flaschen. Der Ballonfahrer braucht eine Brezel und Stines Wiese ist eine grüne Isomatte. Es gibt Spaghetti zum Abendessen und Eis. Dürfen wir ganz lange aufbleiben? Lesen wir noch eine Gruselgeschichte? Hören wir noch ein Hörspiel?

Donnerstag, 12. Juni 2008





Nebel

Der abgeblühte Löwenzahn, das trübe Licht, die Gewitterwolken. Auf der Wiese liegen die Kühe und käuen wieder. Ich nehme den verblühten Strauß nicht aus der Vase und denke im Kreis. Der Zeiger schiebt sich weiter auf einer Scheibe, die wir Uhr nennen. Ich denke mir eine Adresse aus.

Dienstag, 10. Juni 2008



Kunterbunt

Unter dem Geschichtenzelt aus Seilen, Decken und Wäscheklammern wird vorgelesen. Das Pferd Petra möchte im Schlafanzug in die Schule gehen und wird für ein Zebra gehalten. Ingrid, der Igel und Nils, das Nilpferd wollen nicht mit den anderen Tieren spielen. Ein Papagei besorgt einen Zaubertrank und am Schluss malen alle zusammen ein Bild.

Donnerstag, 5. Juni 2008




Grau

Die abgemähten Wiesen, der Nebel, die feucht glänzenden Straßen. Der Sonnenschirm liegt zusammengeklappt vor der Tür. Pläne, Forelle zu essen, ein Bild zu kaufen und die schwarzen Flecken auf der Landkarte genau anzuschauen. Es ist November im Sommer.

Sonntag, 1. Juni 2008




Tupfer

Trollblumen, Kuckuckslichtnelke, Knabenkräuter, Teufelskralle, Ackerwitwenkraut, Storchschnabel, Bachnelkenwurz, Wiesenknöterich, Vergissmeinnicht, großer Wiesenknopf und die erst neu entdeckte Rötenbacher Kuscheldistel. Und. Das Gemälde eines impressionistischen Meisters. Bunte Tupfer, so weit das Auge blickt. Man möchte sich bedanken bei der Stelle für kostenlose Schätze.

Freitag, 30. Mai 2008




Es war einmal

Ein deprimierter Riese findet eine Großmutter, die seine Höhle gemütlich einrichtet, ein böser Hausmeister kommt mit einer verzauberten Kutsche, eine Prinzessin wird von einem Fuchs gebissen, eine Dorfschreiberin hat einen Milan als Haustier, ein Diamant wird geklaut und am Ende trinken alle Schnaps. Und wenn sie daran nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Donnerstag, 29. Mai 2008

Schreibwerkstatt

Es war einmal. Was gibt es für Figuren im Märchen? Welche Orte, Tiere und Dinge finden wir im Märchen und in Eisenbach? Kann eine Geschichte die Überschrift „Die Diamantenblume“ haben? Auf jeden Fall. Wie ist der Zwerg in die Kugel gekommen? Ich hab schon soo viel geschrieben. Und ich so viel. Bald ist große Pause.


Dienstag, 27. Mai 2008

Wechsel

Wir hängen die Winterfenster aus, die Doppelfenster werden zu einfachen Sommerfenstern. Ich schleppe die schweren Rahmen in den Keller und denke etwas über alte Ansichten, die man zum Wechsel der Jahreszeiten wegstellt. Am besten für immer. So sieht es nicht nur schöner aus, meint meine Nachbarin, so bekommen Sie auch mehr Luft. An Allerheiligen kommen die Fenster wieder dran, sagt sie und bringt mir zum Trost ein Stück Kuchen.

Übergang

Das Festzelt wird abgebaut, die rot-weißen Absperrbänder werden gekappt und eingerollt. Von fern hört man das Echo der Hammerschläge. Pfähle werden abtransportiert, Wagen weggefahren. Das Fest ist vorbei, das Mähen geht los. Die Köpfe der Löwenzähne liegen auf den kurzgeschorenen Wiesen. Schnell einfahren, bevor es anfängt zu regnen.

Montag, 26. Mai 2008

50 Jahre MV Schollach

Im Festzelt wird getanzt, die Steigerburschen spielen, manch einer hat schon die Lose gezückt. Wird es das Wellnesswochenende oder nur ein Hackbrett mit Messern? Die Lostrommel der Sparkasse dreht sich, die Schnitzel sind ausgegangen. Man brüllt sich ins Ohr: wie schön doch der Umzug war, der historische Güllewagen, das gute Wetter. In der Bar steht man auf Sägemehl unter Palmen, auf der Bühne drehen sich die Paare.

Samstag, 17. Mai 2008

Ausflug

Im Wiesenwägele fahren wir vorbei an Höfen und Kühen, ein Stück durch den Wald bis zum Grillplatz. Die Kinder machen Tiere aus Ton, bis wir einen Bauernhof voll haben. Wir spielen Flüsterpost und ich lese Geschichten vor, vom Raben und Pinguin und von Stine, die mit ihrem Kopfkissen fliegt. „Kissen, Kissen, lass mich wissen, wohin geht die Reise?“



Donnerstag, 15. Mai 2008

Cego

Cego (Schreibweisen auch Zego oder Ceco), abgeleitet aus dem lateinischen caecus (blind), aufgrund der Besonderheit dieses Kartenspiels, dass in der Regel mit dem "Blinden" gespielt wird. Es wird gegen den Uhrzeigersinn gegeben. Soli, Gegensoli, Bettel. Wer keine Farbe bedienen kann, muss einen Trumpf spielen. Der höchste Trumpf heißt „Gstieß, die 21 „Mund“. Die Könige zählen 5, Damen 4, Reiter 3 und Buben 2 Punkte. Es dauert wahrscheinlich sehr lange, bis man es wirklich gut kann.

Dienstag, 13. Mai 2008

Zwielicht

Die hintereinander liegenden Bergketten in verschiedenen Blautönen und die Schneereste auf dem Feldberg. Auf der Straße unten eine Feuerwehrübung, die Straße glänzt noch lange vom Wasser. Später hört man das Lachen der Männer, heute hat kein Haus gebrannt. Eine Bank, von der aus man ins Tal sehen kann, eine Schätzelebank. Hier sagt man dem Liebsten etwas ins Ohr, oder besser, man schweigt einander näher.



Unwetter

Meine Nachbarin rät mir, bei Gewitter am Abend keinen Schlafanzug anzuziehen, sondern in normalen Kleidern ins Bett zu gehen. Wenn der Blitz einschlägt, erklärt sie, hat man wenigstens etwas Anständiges am Leib, um aus dem brennenden Haus zu laufen. Seit ein Ehepaar nackt zusehen musste, wie ihr Hof niederbrannte, würde sie es immer so halten.

Farbton

Der gelbe Flaum des Löwenzahns auf den Hängen, der Bachlauf mit den Sumpfdotterblumen, die weiß blühenden Bäume wie eine Verschwendung. All die Grüntöne, die niemand sammelt. Eine Malerin, die nur grüne Bilder malt, eine Näherin, die Schals und Decken aus grünen Flicken macht. Ein Kind, das seine Hände grün anmalt, jeden Finger in einem anderen Farbton.

Sonntag, 11. Mai 2008

Donnerstag, 8. Mai 2008

Musik

Die Lieder aus Stines Reise haben Melodien bekommen. Wir hören die Lieder im Klasssenzimmer, ich habe eine Gänsehaut, ach, noch mal.

Mittwoch, 7. Mai 2008

Stines Reise

Soll Stine am Anfang auf der Bühne liegen? Wer kann Einradfahren? Wo sitzt der Chor? Die Sonnenfrau ist zu klein, um den Ballonfahrer zu küssen. Kann jemand den Hund spielen? Muss ich wirklich eine Perücke tragen? Mit den Textblättern vorm Gesicht wird das Stück einmal ganz durchgespielt, bis Stine von ihrer Reise zu Sonne, Mond und Sternen wieder zurück ist.

Dienstag, 6. Mai 2008

Skizze

Das vertrocknete Senfgelb der Wiesen ist Grün geworden. Ein Kind wird geboren. Die Flechten kriechen die Baumstämme hinauf, ein Auto fährt durch ein Hoftor. Falten graben sich in ein Gesicht, in der Stille kräht ein Hahn. Drei Mal sollst du nicht leugnen. Die gelben Flecken des Löwenzahns, die tiefen Hausdächer. Jemand bringt Blumen, jemand geht in Gummistiefeln die Stiege hinauf. Buschwindröschen und Himmelschlüssel, eine geschlossene Tür. Jemand bekommt einen Brief. Ein Fenster wird vernagelt.