Sonntag, 6. April 2008

Höfechronik

Ein 12 km langes Tal: Berghänge, Höfe, Raubvögel. Die Häuser haben tief heruntergezogene Dächer. Schollach gehört zu Eisenbach, hat aber immer seine Eigenständigkeit bewahrt. Im Eingemeindungsvertrag bestanden sie auf einem eigenen Ortsvorsteher. 250 Leute leben hier, die gerade erschienene Orts- und Höfechronik hat über 600 Seiten und ist schwer wie ein Backstein. 1280 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt. Hier erfand der Wirt des Schneckenhofes den Skilift, von hier aus reisten die Schollacher Uhren seit 1700 in alle Welt. Ein Tal mit Geschichte. Die Vorstellung der Chronik ist ein gesellschaftliches Ereignis. Im Foyer sind Zeichnungen der Bauernhöfe ausgestellt, die Besitzer betrachten sie mit Stolz. Der Männergesangverein singt leis’ schlägt mein Herz dir zu, draußen fällt unermüdlich der Schnee. Ein Londoner erzählt von seiner Liebe zu den Schollacher Uhren, deren Geschichte er seit vielen Jahren erforscht. Es gibt Wurstsalat und Dankesreden und auf der Leinwand schwarz-weiße Fotos von Heubergen und Ochsenkarren. Die Wangen röten sich, Rührung liegt auf den Gesichtern. Um Mitternacht schneit es immer noch.

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